Der Wecker klingelt wie verrückt und es ist Zeit zum Aufstehen. Leicht benommen quäle ich mich aus dem Bett, aber anders gehts nicht. Irgendwer muss ja die Brötchen – respektive das Katzenfutter – verdienen. Carla muss heute erst spät raus, der gehts etwas besser, also fällt mir die großartige Aufgabe der Raubtierfütterung zu. Phantastisch… Raus in die Küche…

Es ist bereits September, die Sonne geht später auf und taucht alles in gleissendes Orange-Gelb. Zehn Katzen starren mich lautlos an, wenn ich die Küche betrete. Kein Laut. Nichts. Das Ganze hat den Charme eines Horrorfilmes… Sehr beruhigend. Horrofilm zum Frühstück… Ein neuer Tag im Alentejo beginnt.

Eigentlich würde ich mir ja gerne erst mal ein bisschen vor dem Haus die Beine vertreten, auf die Toilette gehen oder den Morgenkaffee aufsetzen. Aber das geht alles nicht. Caramel jault und das ist das Signal für den allgemeinen Aufbruch. Seit fünf Tagen hat Caramel nichts zu fressen gekriegt. Vielleicht sind es auch sechs. Katzen haben ein schlechtes Zeitgefühl. Und an das gestrige Abendessen kann sie sich ohnehin nicht erinnern. Auch nicht an das von vorgestern und das von vor-vorgestern verschweigen wir lieber gleich. Wenn sie es sich richtig überlegt, dann hat sie eigentlich noch nie etwas zum Essen gekriegt. Niemals! Wo die fünf Kilo Lebendgewicht herkommen weiss sie natürlich nicht. Keiner weiss es. Aber egal, Caramel gibt das Signal und das Tohuwabohu nimmt seinen Lauf.

Wo waren wir? Entschuldigung, ich bin noch verschlafen. Ach ja, das Futter. Und Caramel gab das Signal. Ich bewege mich auf die Futterzone zu! Alarm, Alarm! Kampfkatze Caramel macht einen Satz nach vorne. Sie könnte ja die zweite Dame an der Schüssel sein. Das geht natürlich nicht. Da ich nicht auf sie drauftreten will, steige ich in eine andere Richtung. Mist dort ist auch was Felliges, dort krieg ich den Fuss also auch nicht auf runter. Besser ganz woanders hin steigen… Na ja. 😉 Bevor ich mich noch richtig orientieren kann, sitze ich schon am Boden. Neun Kätzinnen umwuseln mich, Bica will auf mich raufklettern..

Dann komme ich doch noch hoch und gehe jetzt wirklich zum Futterschrank. Peng, sie sind hinter mir her. Steigen übereinander, machen sich gegenseitig den Platz streitig…

Jetzt fallen die ersten Futterstückchen in die Schüssel. Caramel schiebt sich von unten durch und verdrängt Darcy von der Schüssel Nummer 1. Das kann Darcy sich natürlich nicht gefallen lassen. Sie haut Caramel eines mit der kaiserlichen Pfote über die Rübe, dass es nur so kracht. Aber Caramel ist hart im Nehmen. Wenns ums Futter geht, kennt sie kein Pardon. Sie hat mindestens fünf Jahre auf der Strasse gelebt. Das erfordert Durchsetzungsvermögen.

Während sich Darcy und Caramel noch um die Aufteilung des Napfes streiten (wir haben schließlich eine Hungersnot. Da ist nichts mit großzügiger Zurückhaltung.) werden die anderen Näpfe bedient. Bica, die ja erst drei, vier Monate alt ist, kriegt anderes Futter. Das ist natürlich viel besser als das normale Katzenfutter, deshalb stützen sich die 8 anderen natürlich sofort auf ihren Napf, kaum ist da was drinnen. Bica wiederum will ihr Futter gar nicht, das Futter für sterilisierte Katzendamen ist ja viel besser! Und Opala, die ja mit ihrer Leukose auch was Anderes kriegt und im Nebenraum gefüttert wird, will auch nicht alleine fressen. Für die anderen ist ihr Futter aber mindestens so gut wie das von Bica. Also auf in den Nebenraum zu Opala! Frechheit! Wer hat dieses stinklangweilige und grottenschlechte „normale“ Futter eigentlich zu verantworten? Der Hausmeister oder das Zimmermädchen? Entsetzliches Personal!

Ich mache einen Schritt rückwärts um die Orientierung wieder zu gewinnen und steige in eine Pfütze aus Katzenpisse. Oh verdammt! Das Zimmermädchen hat versprochen die Toilette zu putzen. Was heisst die Toilette? Alle vier wollte sie sauber machen. Mist, das hat sie wohl vergessen. Unsere Mädels sind zwar die ganze Nacht draussen im Wald, wenn sie aber pissen wollen, kommen sie nach drinnen. Sie sind schließlich zivilisierte Katzen! Und wenn sie schon mal extra reingekommen sind zum Pissen und drinnen ist das Klo voll, dann machen sie eben neben das Klo. Draussen pieseln? Draussen, das ist was für die Wilden. Nichts für unsere Hofdamen. Nö, geht nicht!

Aber Vorsicht! Die kleine Lache neben der Toilette ist vielleicht nur ein Ablenkungsmanöver. War das alles von langer Hand geplant? Die Lache, Der Hausmeister, der reintapst, der sich daher nicht mehr um die Napfzuteilung kümmern kann, weil er fluchen muss. (Sakrahaxen!!! Scheissviecher blöde!!!) Toller Schachzug! Chapeau! Ein wildes Futtertauschen beginnt. Der Hausmeister muss aufpassen. Er darf sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen. Darcy ist übergewichtig, sie darf nicht zu viel essen. Opala muss getrennt essen. Bica kriegt das Babyfutter…

Nix da. Olga hat zu schnell geschluckt. Jetzt erbricht sie alles wieder. Schon ist Darcy da und versucht Olgas Produktion zu verschlingen. Jaja, die Hungersnot! Verdammte Hungersnot! Königinnen jagen Erbrochenem nach! Entsetzliche Zeiten sind das! Puh, ich muss aufpassen. Den Boden aufwaschen, Opala vom Rest trennen, Bica. Oh verdammt. Caramel hat Bica verjagt. Egal. Daryc zahl es ihr heim. Gute Darcy, gute Kaiserin! Sie haut Darcy noch eins auf den Kopf. Puh, muss ich jetzt gleich zum Tierarzt? Das ist bereits der zweite Schlag auf Caramels Schädel heute morgen! Mal sehen. Darcy juckt das nicht, ihr Schädel ist wahrscheinlich aus Stahl. Oder Beton? Egal…

Irgendwann ist der Trubel vorbei. Ich darf den Kaffee aufsetzen! Und auch aufs stille Örtchen! Toll! Jetzt steht auch das Zimmermädchen auf. Ist was? fragt sie mit Schlafzimmerblick? Ich hab was gehört…

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